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Land der Ballkünstler

„Fussball ist in Brasilien nicht nur Sport. Es ist ein artistisches Spiel mit dem Ball, die Kunst des Dribbelns, das Austricksen des Gegners mit maliziösen Finten. In diesem Spiel spiegelt sich die Nationalität eines Landes, das von der Leidenschaft des Ballspiels beherrscht wird. Im Verlauf einer Partie Fussball kann es passieren, dass unsere Cracks ihr Ziel, das Toreschiessen, glatt vergessen – überzeugt, dass Tugend ohne Spass ein Widerspruch in sich selbst ist. Ob wir nun den Pokal gewinnen oder nicht, wir sind die Champions einer Leidenschaft, die sich immer wieder neu am Ball entzündet”!
(Aus dem Buch von Betty Milan “Brasil, o País do Futebol”)

Sie ist Psychologin und lebt zwischen São Paulo und Paris – ein halbes Jahr hier, ein halbes Jahr dort. Ihr Buch über die brasilianische Leidenschaft der Spieler wie der Zuschauer, hat der Brasilianerin Betty Milan eine Menge Anerkennung bei den Kritikern eingebracht – besonders auf Grund der Tatsache, dass sie sich als Frau an dieses “heilige Thema” gewagt und mit viel Esprit glänzend bewältigt hat.

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Seitdem die brasilianische “Seleção” zum fünften Mal den Weltpokal im Fussball gewonnen hat (Korea 2002) und damit als erste Nation fünffacher Weltmeister wurde, ist es wieder etwas stiller um die brasilianischen Ballkünstler geworden – wir selbst, die wir im Land des Fussballs leben, sehen unsere Cracks auch nur noch auf dem Fernsehschirm, wenn hierzulande mal ein Spiel vom FC Barcelona oder dem FC Mailand übertragen wird, europäische Star-Clubs, bei denen sich die besten brasilianischen Spieler, wie Ronaldinho Gaúcho, Ronaldo oder Kaka gegen Millionärsgagen verdingt haben – viele weitere Clubs in der ganzen Welt haben sich brasilianische Spieler zur Auffrischung ihres einheimischen Teamgeistes und als Dribbel-Vorbilder geangelt, und brasilianische Trainer haben ebenfalls längst die Gunst der Stunde erkannt und sind abgewandert, um gegen viel Geld japanische, arabische oder amerikanische Mannschaften das zu lehren, was sie als Brasilianer sozusagen schon mit der Muttermich eingesogen haben: die brasilianische Kunst des Balltretens – und des Toreschiessens, natürlich.

Das Spiel mit dem Ball ist eine brasilianische Leidenschaft

Der Fussball bleibt allerdings, trotz seiner zeitweise abwesenden Helden, der Brasilianer liebstes Kind – oder besser gesagt: ihre Lieblingsbeschäftigung. Nicht nur die der aktiven Spieler – angefangen bei den schmuddeligen Dreikäsehochs, die einen mit Holzwolle gestopften Ball zwischen windschiefen Hütten hin und her kicken, über die Jugendlichen aller sozialen Klassen, die sich im Sand der Copacabana als Kicker-Team näherkommen, bis hin zu jenen Glücklichen, die bereits einen festen Vertrag mit einem der unzähligen brasilianischen Clubs in der Tasche haben – sondern auch die Lieblingsbeschäftigung der passiven, mitfeiernden oder mitleidenden Zeitgenossen, der fanatischen, “professionellen” Fans ihrer Vereine, die vierundzwanzig Stunden am Tag ihre Theorien und Erfahrungen austauschen, sich plötzlich im Aufzug in lautstarke Wortduelle verwickeln oder sich in einer Bar an der Ecke ihre Prophezeiungen wie Bälle an den Kopf werfen. Fussball ist ein grosser Teil der brasilianischen Kultur – besonders die Diskussionen über das Spiel, über den Stand der einzelnen Vereine in der Landesmeisterschaft, über die Leistungen der einzelnen Spieler am letzten Sonntag, über das, was hätte sein können und leider verpatzt wurde, über das was bestimmt kommen wird und durch wen – und wenn man wie ich überhaupt nichts vom Fussball “versteht” und sich auch wenig dafür begeistern kann, dann sollte man sich raus halten aus solchen Diskussionen, denn die “Experten” entdecken solch unverzeihliches Verhalten bestimmt und dann . . . um Gottes willen!

Neuerdings hat auch Brasiliens weibliche “Seleção” der Fussballerinnen von sich reden gemacht – die Spielführerin Marta wurde zur weltbesten Fussballspielerin gekürt, und ihre Mannschaft, in allen Begegnungen bis dato ungeschlagen, scheiterte nur an den deutschen Mädchen, die sich im Endspiel den Weltmeistertitel in Peking holten und die Brasilianerinnen auf den zweiten Platz vewiesen.

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Was Wunder, dass soviel Geschicklichkeit der Brasilianer mit dem Ball sich auch in anderen Sportarten niedergeschlagen hat, bei denen er im Mittelpunkt des Geschehens steht – oder besser gesagt: hin und her fliegt. So sind die Brasilianer auch Weltspitze als Volley-Ball Team – sowohl der Damen als auch der Herren – sie sind ungeschlagen im Strand-Volley der Damen – unser Guga ist Weltspitze im Tennis – auch im Hallen-Handball machen die Brasilianer inzwischen von sich reden – und unsere Cracks im Tischtennis, der in Brasilien geborene Japaner Hugo Hoyama oder der aus dem Bundesstaat Ceará stammende Thiago Monteiro, haben alle Aussichten, bei der nächsten Olympiade ihre Weltklasse mit einer Medaille unter Beweis zu stellen.

“Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder” – ein Zitat, welches ich voll und ganz bestätigen möchte, denn noch habe ich kein anderes Land kennengelernt, in dem man so ausgesprochen gerne singt und musiziert, und in dem ich lieber leben möchte als in Brasilien. Aber auch “wo man Ball spielt, da lass Dich ruhig nieder” – so könnte man das jenes Zitat ein bisschen abwandeln – singen, tanzen und Fussball spielen, damit haben wir die leidenschaftliche Seele des Brasilianers beschrieben.

zeca
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